Medienresonanz | 19.03.2021

Was tun gegen Obdachlosigkeit? Vier Fragen an sechs Fraktionen

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Wie kann man jungen Menschen, die auf der Straßen leben, helfen? Und welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie? Das Jugendportal des Deutschen Bundestages hat Experten aus allen sechs Fraktionen die gleichen Fragen gestellt und veröffentlicht. Hier sind meine Antworten.

37.000 junge Menschen unter 28 Jahren leben auf der Straße. Wie kann man ihnen helfen?

Niemand sollte in Deutschland auf der Straße leben. Gerade jungen Menschen muss der Einstieg in ein eigenständiges Leben so einfach wie möglich gemacht werden. Hierfür gibt es die Jugendhilfe. Leider hakt es oft gerade am Übergang ins Erwachsenenalter. Diese Übergänge müssen so gestaltet werden, dass man nicht aus dem System fällt. Das erreicht man z.B. durch die Erhöhung der Altersgrenze auf 25 Jahre oder ein Rückkehrrecht ab 18 Jahren in die Jugendhilfe, um Obdachlosigkeit zu beseitigen. Dass das möglich ist, hat Finnland gezeigt, unter anderem mit einem nationalen Housing First Programm. 

Sie fordern eine Kindergrundsicherung. Was soll diese bewirken?

Die finanzielle Unterstützung für Kinder in Deutschland ist total kompliziert und gleich in mehrfacher Hinsicht ungerecht. Menschen mit hohem Einkommen bekommen mehr Unterstützung als Menschen mit mittleren Einkommen und auf der anderen Seite reichen die Leistungen nicht aus, um vor Armut zu schützen und viele fallen durch das Netz. Die Grüne Kindergrundsicherung geht so: Alle Kinder bekommen einen Betrag in gleicher Höhe unabhängig vom Einkommen der Eltern und bei geringem Einkommen gibt es automatisch einen Zuschlag, der vor Armut schützt.

Hohe Mieten und wenige Ein- bis Zweizimmerwohnungen sind für viele Betroffene ein zusätzliches Problem. Wie wollen sie dieser Entwicklung entgegenwirken?

Für Menschen mit geringen Einkommen soll es mehr Sozialwohnungen geben. Damit zusätzliche, dauerhaft günstige Mietwohnungen für alle entstehen, wollen wir eine neue Wohngemeinnützigkeit einführen, die sich am Gemeinwohl und nicht an Gewinn orientiert, und wir brauchen wieder mehr öffentlichen Wohnraum. Die Privatisierungen in den letzten Jahrzehnten waren ein großer Fehler. Kurzfristig soll eine robuste Mietpreisbremse die Mieterinnen und Mieter vor einem Anstieg der Mieten schützen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Situation der obdachlosen Jugendlichen?

Die Pandemie erschwert die Rückkehr in die eigenen vier Wände zusätzlich zur schwierigen Situation. Die Kommunen müssen alles dafür tun, dass obdachlose Jugendliche möglichst einzeln in derzeit geschlossenen Hotels oder Jugendherbergen untergebracht und auch – im Falle einer Infektion – medizinisch versorgt werden. Der Kontakt zur Sozialarbeit muss aufrechterhalten werden. Sie brauchen Schutzräume – jetzt und nach Corona. Langfristig muss das Ziel sein, dass niemand mehr auf der Straße leben muss.

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