Medienresonanz | 12.02.2021

Bundesregierung weigert sich Kommunen im Kampf gegen die Obdachlosigkeit zu unterstützen

Die Berliner Morgenpost berichtete über die schwierige Lage für obdachlose Menschen, die durch die Corona-Pandemie noch belastender geworden ist. Viele Angebote mussten wegen des Infektionsschutzes eingestellt werden oder bestehende Angebote werden aus Angst vor Ansteckung gemieden. Einzelne Kommunen öffnen Hotels als Unterbringung. Doch die Situation offenbart erneut, das noch nicht das bestmögliche an Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen besteht. Drüber schrieben Philipp Luther und Tobias Eßer für die Berliner Morgenpost:

22 Erfrorene Menschen allein in diesem Winter – die Grünen im Bundestag wollen das nicht hinnehmen. "Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie einen nationalen Aktionsplan ins Leben ruft", sagte Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Arbeitsmarktpolitik und Europäische Sozialpolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag, unserer Redaktion. "Gemeinsam mit Ländern und Kommunen müsse an einer Strategie zur Beseitigung und Vermeidung von Wohnungs- und insbesondere Obdachlosigkeit gearbeitet werden", fordert Strengmann-Kuhn.

Kältetote: Zahl so hoch wie lange nicht mehr

Der Handlungsbedarf ist dringend, zumal die BAG W ausdrücklich darauf hinweist, dass es sich bei dokumentierten Fällen um eine Mindestzahl handelt. Manche Fälle bleiben der Öffentlichkeit schlicht unbekannt.

Obdachlose: Doppelt von der Pandemie betroffen

Die Menschen sind in vielerlei Weise von dem Coronavirus betroffen. Einerseits kann eine Covid-19-Erkrankung für diese Bevölkerungsgruppe besonders gefährlich sein. Die Immunsysteme von Obdachlosen sind oft geschwächt, häufig leiden sie unter Vorerkrankungen.

Der Impfplan des Bundesgesundheitsministeriums trägt dem zwar Rechnung – Menschen, die in Obdachlosenunterkünften leben, gehören zur zweiten Impfgruppe, haben "hohe Priorität".

Durch das Impfraster des Ministeriums fallen dabei allerdings jene, die keinen Zugang zu den Unterkünften haben. Längst nicht alle, die ohne Obdach sind, können oder wollen in die bereitgestellten Unterkünfte. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Frauen und LGBTIQ müssen zum Beispiel mit Angriffen rechnen. Die Zugangshürden zu den Unterkünften sind zudem oft hoch, etwa wenn Hunde nicht mit rein dürfen.

Andererseits kann auch die Angst vor Ansteckung Menschen davor abhalten, Schutz vor dem Wetter zu suchen. "Es gibt Fälle, in denen wohnungslose Menschen bewusst verfügbare Einrichtungen meiden, aus Angst, sich dort anzustecken. Diese setzen sich so der Gefahr der Kälte im Freien aus", sagte Rosenke.

(...)

Obdachlose: Bunderegierung in Verantwortung

Grünen-Abgeordneter Strengmann-Kuhn sieht an dieser Stelle die Bundesregierung in der Pflicht. Sie hätte Kommunen dabei unterstützen müssen, "dass obdachlose Menschen durch die gezielte Unterbringung in leerstehenden Hotels, Jugendherbergen oder Pensionen Schutzräume finden", sagte er.

Diese Verantwortung habe die Bundesregierung in den letzten Monaten aber nicht wahrgenommen. "Der Bund verweist regelmäßig auf die Zuständigkeit der Länder und Kommunen und zieht sich aus der Verantwortung. Das muss ein Ende haben."

Kältetote: Nachhaltig hilft nur ein fester Wohnsitz

Die Notunterkünfte, angemieteten Herbergen und Hotels sind allerdings nur eine vorübergehende Hilfe. Richtig nachhaltig hilft obdach- oder wohnungslosen Menschen vor allem eines: ein fester Wohnsitz.

Das Berliner Modellprojekt Housing First etwa unterstützt Menschen bei der Anmietung von Wohnungen. Innerhalb von drei Jahren soll 40 Menschen ein fester Wohnsitz vermittelt werden.

Den gesamten Artikel vom 12.02.2021 gibt es hier:https://www.morgenpost.de/vermischtes/article231543743/19-Obdachlose-diesen-Winter-erfroren-Vereine-alarmiert.html

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